Kaffee Reise "Kooperation Wayanad" Kerala - Indien  (03.Jan. - 10. Jan. 2015)

03-05.Jan. 2015 (Samstag bis Montag)

Nach langer Anreise sind wir am Sonntag Mittag glücklich aber müde in Calicut gelandet.

 

Der erste Eindruck: Wer beherrscht hier das Chaos? Aber alles ist super organisiert und der Fahrer erwartet uns schon. Für die 160 Kilometer nach Vanamoolika benötigen wir mit einigen Pausen 6 Stunden – hier ist einfach sehr viel Verkehr und ein Tuk Tuk oder beladener LKW fährt eben nur sehr langsam und kann nicht einfach überholt werden. :-). Aber die Landschaft ist atemberaubend!

Bei unser Ankunft werden wir schon von Chackochan dem Chef der Kooperative Wayanand und seinem Team sehr freundlich empfangen. Nachdem wir gemeinsam den Verlauf der Woche besprochen haben, teilte uns Chackochan auch mit das wir bei einzelnen Kaffeefarmer untergebracht sind – Wow, das waren tolle Neuigkeiten. Wir waren schon ganz gespannt auf unsere Gastfamilien. 


Im Anschluß führte uns Cackohan herum und zeigte uns die Neuanschaffungen für die Kaffeeverarbeitung – Stromgenerator, Poliermaschine, Abwassertank. Des weiteren zeigte er uns die Farm die direkt neben dem Gelände der Kooperative liegt.


Chackochans Leidenschaft neben Kaffee sind die Heilkräuter, diese wachsen direkt auf seiner Farm und werden zu ayurvedischen Medizinprodukten verarbeitet.

 

 

Auf der Farm sind alle Produkte Bio Zertifiziert und wir haben nur absolute Mischkulturen vorgefunden. Verschiedenste Heilkräuter auf mehreren Felder inmitten von Schattenbäumen.

Chackohan erklärte uns, das er ca. 700 verschiedene Heilkräuter hier anpflanzt.


Desweiteren werden Bananen, Kokosnüsse, Pfeffer und verschiedene Gemüsearten (Kohlrabi, Tomaten....) und natürlich Kaffee angebaut.


Nach einem tollen Mittagessen, selbstverständlich gab es verschiedene Curries – yummi – besuchten wir Francis, einen Farmer in der Nähe.

Wie bei allen Farmerfamilien die wir besuchten haben wir auch bei Ihm nur Mischkulturen vorgefunden (Bananen, Pfeffer, Kokosnüsse und Kühe.....) Das besondere war das es sich um eine „Organic Zero Investment Farm“ handelt. Zero Investment heißt in seinem Fall das er alles was die Farm benötigt auf der Farm produziert.


Hier konnten wir auch sehen wie die Kirschen gepickt und selektiert werden – beeindruckend! Nur die wirklich reifen Kirschen wurden gepflügt und die grünen Kirschen blieben am Baum – so muss es sein


06.-07. Jan. 2015 (Dienstag u. Mittwoch)


Im Laufe des Vormittags besuchten wir mehrere Kaffeefarmer, bei denen wir mit den Farmer zusammen Kaffeekirschen geerntet haben. Es war wieder beeindruckend zu sehen wie alle Farmer richtig gut selektieren (die guten ins Töpfchen und die „schlechten“(grünen) ins Kröpfchen :-) ).

Aber absolut begeistert war ich von der Herzlichkeit und Offenheit mit der wir überall empfangen wurden. Alle Farmer wollten mindestens soviel über uns und über die Kaffeekultur in Europa erfahren, sowie wir die Ernte und Verarbeitungsabläufe verstehen/kennenlernten wollten.


Mittags wurden wir vom Abraham und seiner Familie zu typischen Speisen eingeladen und hatten dabei mehr Gelegenheiten Fragen zu beantworten. Am Nachmittag wollten wir eigentlich in den Nationalpark fahren um den wirklichen Dschungel kennenzulernen – obwohl ich bei unserer Gastfamilie schon das Gefühl hatte, das wir im Dschungel wohnen

Leider war der Besuch im Nationalpark nicht möglich, da die Maoisten Stellungen dort bezogen haben und somit der Besuch zu gefährlich hätte werden können. Also haben wir DEN „Kuhflüsterer“ besucht. Er ist im weiten Umfeld bekannt und respektiert.

Nach dem tollen Kinofilm Der Pferdepflüsterer hatte ich so meine Vorstellungen im Kopf, aber es kam anders und doch irgendwie ähnlich :-)

 

Die Landschaft in die seine Farm eingebettet ist liegt atemberaubend in einem Tal und der Anblick liess mich einfach zur Ruhe kommen, so eine tolle, schöne und friedfertige Landschaft habe ich schon sehr lange nicht gesehen – alles ruhte in sich selbst, inklusive IHM. Diese Farm wird von Ihm in der 2ten Generation seit ca. 1940 rein biologisch bewirtschaftet und es ist IHM wichtig das alles im Einklang mit der Natur ist.

Neben dem Ernten haben wir auch mal etwas gerechnet!


Wieviel Canephora Kaffeekirschen (circa) werden für 1 Kilo gerösteten Kaffee benötigt?


Ein Kaffeebaum hat einen circa Ertrag von 2-3 Kilo Kaffeekirschen. Nach Pulpen, Aqua pulpen und trocken ergibt das dann noch ca. 350 – 510 gr. Rohkaffee!

Durch das Rösten verlieren wir dann nochmals ca. 18%.

Damit Du 1 Kilo frisch gerösteter Kaffee bekommst müssen also ca. 7 Kilo Kaffeekirschen geerntet werden. Das entspricht der Ernte von 3-4 Kaffeebäumen - beeindruckend oder?

08.-09.01.2015 Vanamoolika (Donnerstag und Freitag)


Heute war es soweit, wir mussten uns von unserer Gastfamilie verabschieden – sehr traurig.

Es war eine tolle Zeit bei Pitju und seiner Familie. Wir sind als Fremde gekommen und gingen als Freunde.

Am Vormittag hattem wir noch die Gelegenheit an einer Schulung für Biolandbau teilgenommen. Es war toll für uns zu sehen wie der Biolandbau in Vanamoolika unterstützt wird. Es war sogar eine Schulklasse von einer nahen Schule mit dabei.

Am Abend bin ich dann mit Felix für die letzte Nacht in ein Cottage auf dem Gelände der Koopative Wayanand gezogen. Ein tolles Holzhaus, das nur aus den Medizinhölzern, die auf der Farm wachsen, gebaut wurde.


 

Am nächsten morgen haben sich die Kollegen dann bestückt mit Körben und Säcken auf den Weg in den Wald zur Kaffee-Ernte gemacht (ich musste mich mal um meine Emails kümmern). Innerhalb von 1,5 Stunden konnten so 32 kg Kaffeekirschen gepflückt werden.

Die vier trugen die Kirschen zur Verarbeitungsanlage und wir schwemmten gemeinsam, um überreife, vertrocknete oder von Insektektenfraß beschädigte Kirschen zu slektieren.

 

Anschließend wir gepulpt, dabei wird das Fruchtfleisch mechanisch von den Kaffeebohnen getrennt. Dann noch in den  Aquapulper, so das die Pektinschicht von der Hornschale gewaschen werden kann.

 

Dann müssen die Kaffeebohnen noch für mehrere Tage zum Trocknen ausgelegt und mehrfach täglich gewendet werden. Zum Schluss muss noch die Hornschale entfernt werden – dann geht’s zum finalen selektieren und schon ist er fertig: Der Spitzen Canephora.

 

Von den 32kg Kaffeekirschen werden dann noch knapp 6 kg Rohkaffee übriggeblieben sein!!


Hier kannst Du auch direkt unseren aktuellen indischen Canephora probieren - wir wünschen Dir einen vollen Genus

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Am Nachmittag trafen noch einige Farmer zu einer internen Qualitätsschulung bei der wir auch eine Kaffee-Verkostung machen konnten.

 

Jörg hatte dazu frisch gerösteten Kaffee von der Kooperative aus Deutschland mitgebracht. Wie wir schon vermutet haben, kannte fast kein Farmer den Geschmack des eigenen Kaffees – sind ja Teetrinker (mit viieel Milch und Zucker :-).

Das war natürlich ein WOW Erlebnis für alle.

Am Abend gab es das letzte gemeinsame Curry bei der Kooperative und im Anschluss haben wir den Abend gemeinsam verbracht –  es war eine tolle Woche!


Am nächsten Morgen dann Abschlussbesprechung mit Chackochan und seinem Team.

Wir haben uns nochmals ganz herzlich bedankt für diese sehr informative Zeit, die offenen Diskussion und die tolle Gastfreundschaft.


Dann wurde es auch schon Zeit für mich „auf Wiedersehen“ zu sagen, da mein Flieger mich am nächsten Morgen nach Hause gebracht hat.

 

Aber ich werde Chackochan sehr wahrscheinlich im Februar in Deutschland treffen. Er wird die BioFach in Nürnberg besuchen und uns dabei Muster von anderen Aufbereitungen mitbringen – wir sind schon total gespannt.

MEIN FAZIT:

Eine wirklich tolle Reise in das Kaffeeland Indien. Was bei mir besonders in Erinnerung bleiben wird ist die Freundlichkeit und Offenheit im Land – aber auch die Art wie Kaffee ausschliesslich in Mischkulturen angebaut wird. ECHT BIO und das würde ich sagen in "Reinkultur" – faszinierend!


Natürlich habe ich direkt Rohkaffee bestellt – bin echt total überzeugt und begeistert von der Qualität. Da schon andere Röster bestellt haben müssen wir noch bis ca. Mitte Februar warten um zu erfahren ob wir diesen tollen Kaffee bekommen – Drück uns mal die Daumen


Einar Rasmussen